Das Wichtigste zuerst
- Vorbereitung bietet Raum für Entwicklung, ist aber kein Freibrief für unkontrolliertes Volumen.
- In der Saison konkurriert Zusatztraining stärker mit Spiel, Mannschaftstraining und wechselnder Einsatzzeit.
- Wenn Spiele hinzukommen, prüfe Ziel, Umfang und Wochenposition der Ergänzungen neu.
- Der Kalender der Mannschaft und die tatsächliche Belastung bestimmen die konkrete Planung.
Schnelle Antwort
In der Vorbereitung kann Athletiktraining mehr Raum für gezielte Entwicklung bekommen. In der Saison rücken Spielleistung, Verfügbarkeit und das Erhalten wichtiger Fähigkeiten stärker in den Vordergrund. Daraus folgt aber kein einfacher Schalter zwischen „hart“ und „leicht“.
Auch eine Vorbereitung enthält Testspiele, Mannschaftstraining und Erholung. Auch während der Saison können Fähigkeiten weiterentwickelt werden. Entscheidend ist, welches Ziel aktuell Vorrang hat und wie viel Platz der Mannschaftskalender tatsächlich lässt.
Wenn du Beschwerden hast oder nach einer Verletzung zurückkommst, kläre vorher mit Arzt oder Physio, was für dich passt.
Phasen statt Schalter
Amateurfußball wird selten unter Laborbedingungen geplant. Urlaube, Arbeit, Hallenturniere, Nachholspiele und unterschiedlich lange Pausen verschieben die Übergänge. Deshalb ist „Vorbereitung“ zunächst eine Funktion: Die Mannschaft bereitet sich auf eine kommende Wettbewerbsphase vor. „Saison“ bedeutet, dass regelmäßige Spiele den Wochenrhythmus prägen.
Für die Athletikplanung helfen drei Ebenen:
- Phase: Vorbereitung, Spielbetrieb oder Übergang.
- Woche: konkrete Mannschaftstermine, Spiel und Alltag.
- Einheit: heutiger Schwerpunkt, Umfang und beobachtete Qualität.
Eine gute Phasenidee kann durch eine außergewöhnlich dichte Woche verändert werden. Umgekehrt sollte ein einzelner guter Tag nicht dazu verleiten, den Umfang der ganzen Phase spontan zu erhöhen.
Aufgaben der Vorbereitung
Vorbereitung bietet häufig mehr zusammenhängende Zeit, um Grundlagen und Schwachstellen zu bearbeiten. Das kann Kraft, Bewegungskontrolle, Beschleunigung oder die Fähigkeit betreffen, wiederholt Fußballaktionen auszuführen. Trotzdem ist sie kein Wettbewerb darin, möglichst viel Müdigkeit zu erzeugen.
Eine klare Vorbereitung beantwortet:
- Welche Ausgangslage ist zu Beginn vorhanden?
- Welche eine oder zwei Fähigkeiten erhalten Vorrang?
- Wie steigen Anforderungen schrittweise, ohne mehrere Faktoren gleichzeitig zu verändern?
- Wo liegen ruhigere Abschnitte und echte Anpassungsmöglichkeiten?
- Woran erkennen Spieler und Trainer, dass der Plan korrigiert werden muss?
Bei Testspielen zählen Aufwärmen, tatsächliche Einsatzzeit und Intensität; der Termin allein beschreibt die Belastung noch nicht. Gleiches gilt für zusätzliche Laufeinheiten, die der Verein vielleicht außerhalb des Platztrainings ansetzt. Eine private Krafteinheit kann nur sinnvoll eingeordnet werden, wenn dieser Gesamtumfang bekannt ist.
Fortschritt in der Vorbereitung bedeutet nicht automatisch jede Woche mehr. Auch bessere Bewegungsqualität, stabilere Wiederholungen oder ein gleicher Umfang bei geringerer wahrgenommener Anstrengung können relevante Beobachtungen sein. Solche Rückmeldungen gehören ins Trainingstagebuch, ohne einzelne Werte zu überinterpretieren.
Aufgaben in der Saison
Mit regelmäßigen Spielen bekommt jede Woche einen festen Bezugspunkt. Mannschaftstraining bereitet taktisch und körperlich auf den Wettbewerb vor, Einsatzminuten schwanken und Nachholspiele können ruhige Wochen verdichten.
Zusatztraining übernimmt nun häufig drei Aufgaben:
- eine wichtige Fähigkeit mit überschaubarem Aufwand erhalten,
- einen klar gewählten Schwerpunkt weiterentwickeln, wenn der Kalender Raum lässt,
- individuelle Unterschiede in der tatsächlichen Spiel- und Trainingsbelastung berücksichtigen.
Dass Kraftarbeit in der Saison nicht einfach verschwinden sollte, illustriert eine kleine Studie von Rønnestad und Kollegen: Nach einer gemeinsamen Vorbereitung hielten die wöchentlich trainierenden Profis ihre aufgebauten Kraft- und Sprintwerte über den untersuchten Saisonabschnitt. In der Gruppe mit einer Krafteinheit alle zwei Wochen gingen diese Werte zurück. Die 14 männlichen Profis liefern allerdings weder eine Mindestdosis für alle Amateurspieler noch einen Beleg für einen bestimmten Trainingstag.
„Erhalten“ bedeutet nicht, dass Training beliebig werden darf. Auch eine kürzere Einheit braucht konzentrierte Ausführung und einen erkennbaren Zweck. Gleichzeitig muss nicht jede Fähigkeit in jeder Woche mit einer eigenen vollen Einheit belegt werden.
Spieler mit vielen Einsatzminuten und Spieler ohne Einsatz können nach demselben Wochenende unterschiedliche Ausgangslagen haben. Daraus folgt keine pauschale Nachholstrafe. Es folgt die Aufgabe, die kommende Woche auf Basis der tatsächlichen Belastung zu planen.
Den Übergang planen
Wenn Pflichtspiele hinzukommen, wird der bisherige Aufbauplan neu geprüft. Eine eigene Planungshilfe ist, drei Stellschrauben nacheinander durchzugehen:
- Priorität: Bleibt das Hauptziel gleich oder wechselt es?
- Umfang: Welche Bestandteile werden reduziert, weil Spiele hinzukommen?
- Wochenposition: Wo passt die verbleibende Hauptaufgabe zwischen Mannschaftsterminen und Spiel?
Wer alles gleichzeitig ändert, kann die Reaktion schwer einordnen. Bleibt ein Kern der bisherigen Übungen erhalten, werden Technik und Dokumentation vergleichbarer.
Auch das Ende der Saison verlangt Planung. Eine Pause kann sinnvoll sein, ohne dass völlige Inaktivität oder sofort die nächste harte Vorbereitung daraus werden muss. Wie dieser Übergang aussieht, hängt von Saisonverlauf, Beschwerden, Zielen und Alltag ab.
Eine einfache Entscheidungsmatrix
Die folgende Matrix formuliert Fragen statt starrer Regeln:
| Situation | Leitfrage | Mögliche Planungsrichtung |
|---|---|---|
| frühe Vorbereitung | Was ist die ehrliche Ausgangslage? | mit beherrschbaren Aufgaben beginnen |
| Vorbereitung mit Testspielen | Welche Belastung kommt durch Spiele hinzu? | Zusatzumfang nicht isoliert steigern |
| normale Saisonwoche | Welche Fähigkeit soll verfügbar bleiben? | kurze, gezielte Hauptaufgabe schützen |
| englische Woche oder Nachholspiel | Was kann ohne Zielverlust entfallen? | Ergänzungen zuerst kürzen |
| wenig Einsatzzeit | Was fehlt tatsächlich und was fand im Training statt? | keine pauschale Straf- oder Nachholeinheit |
| Beschwerden oder Rückkehr nach Verletzung | Wer beurteilt die Belastbarkeit? | fachlich abgestimmtes Vorgehen statt Blogplan |
Am Ende jeder Woche reichen wenige Notizen: geplante Termine, tatsächliche Belastung, sichtbare Qualität und eine Änderung für die kommende Woche. So bleibt die Phase mehr als ein Kalenderwort. Sie wird zu einem Rahmen, in dem Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden.
Beispiel: Ein Testspiel kommt dazu
Eigener fiktiver Fall: Lea trainiert mit ihrer Mannschaft dienstags und donnerstags. In der Vorbereitung hatte sie mittwochs eine private Krafteinheit vorgesehen. Nun wird für Mittwochabend ein zusätzliches Testspiel angesetzt; am Sonntag steht ein weiteres Spiel an.
Sie behält nicht einfach alle Termine bei und nennt die Woche einen Aufbau-Schwerpunkt. Stattdessen bespricht sie drei Punkte mit dem Trainer:
- Was ist für Mittwoch geplant? Ein kurzer Einsatz oder ein langes Spiel mit vollständigem Aufwärmen? Die erwarteten Minuten helfen bei der Vorplanung; hinterher werden die tatsächlichen notiert.
- Was verändert sich am Donnerstag? Ein bereits angepasstes Mannschaftstraining bedeutet etwas anderes als eine unverändert intensive Einheit.
- Welche private Ergänzung ist noch sinnvoll? Die zusätzliche Krafteinheit entfällt in diesem Beispiel. Sie wird nicht automatisch auf Freitag oder Samstag vor das Sonntagsspiel verschoben.
Nach dem Testspiel prüft Lea mit dem Trainer die reale Belastung und ihre Rückmeldung. Für die nächste Woche wird wieder neu geplant. Eine entfallene Einheit erzeugt keine Trainingsschuld.
Der Fall ist keine Empfehlung, Krafttraining während der gesamten Saison zu streichen. Er zeigt, wie eine einzelne volle Woche anders behandelt wird als ein mehrwöchiger Trainingsblock. Für die regelmäßige Kraftarbeit gibt es die Vertiefung Krafttraining in der Saison.
Häufige Fragen
Fragen aus dem Fußballalltag.
Muss die Vorbereitung immer härter als die Saison sein?
Nicht pauschal. In der Vorbereitung gibt es oft mehr Raum für Entwicklung, doch Testspiele, Trainingshäufigkeit und Ausgangslage zählen zur Gesamtbelastung. Mehr Termine sind nicht automatisch bessere Vorbereitung.
Sollte Krafttraining während der Saison weiterlaufen?
Gezielte Kraftarbeit kann auch im Spielbetrieb sinnvoll sein. Umfang, Schwerpunkt und Wochenposition müssen aber so gewählt werden, dass Training und Spielqualität nicht unnötig leiden.
Soll ich ausgefallene Einheiten später nachholen?
Nicht automatisch. Prüfe zuerst die verbleibenden Termine und den wichtigsten Phasenschwerpunkt. Oft ist es sinnvoller, neu zu priorisieren, statt zusätzliches Volumen in eine volle Woche zu drücken.
Quellen und Einordnung
- DFB – Überbelastung in der Vorbereitung vermeiden ↗
Praxisbeitrag zu Gesamtbelastung und vorbereitenden Trainingsphasen. Seine beispielhafte Sechswochenstruktur ist keine allgemeine Vorgabe. Die Entscheidungsmatrix und das Kalenderbeispiel hier sind eigene redaktionelle Hilfen.
- Rønnestad et al. 2011: Krafttraining während der Saison ↗
Kleine Untersuchung mit 14 männlichen Profifußballern: Nach zehn Wochen Vorbereitung wurden zwei Trainingshäufigkeiten über zwölf Saisonwochen verglichen. Kein Nachweis einer optimalen Wochenplanung für Amateurspieler.