Das Wichtigste zuerst
- Ausdauer- und Krafttraining erfüllen unterschiedliche Aufgaben und lassen sich kombinieren.
- Ein Wochenziel ist eine Orientierung; dein Einstieg richtet sich nach dem bisherigen Aktivitätsniveau.
- Kraftübungen zählen nicht automatisch zu den Ausdauerminuten. Plane beide Bereiche sichtbar ein.
Zwei Trainingsarten mit unterschiedlichen Aufgaben
Ausdauertraining fordert vor allem das Herz-Kreislauf-System über eine gewisse Zeit. Beim Krafttraining arbeiten Muskeln gegen einen passenden Widerstand. Ein zügiger Spaziergang kann deshalb ein guter Ausdauerbaustein sein, deckt aber nicht automatisch alle Kraftaufgaben ab.
Eine kleine Studie von Burich und Kollegen verglich 2015 zwei gleich lange Trainingsprogramme bei 33 älteren Erwachsenen. Beide Gruppen trainierten zwölf Wochen lang dreimal wöchentlich. Eine Gruppe nutzte die gesamte Einheit fürs Radfahren, die andere ersetzte einen Teil durch Krafttraining für die Beine. Beide verbesserten ihre Ausdauerleistungsfähigkeit; bei der gemessenen Kniestreckkraft profitierte die Kombinationsgruppe stärker.
Das mittlere Alter lag bei rund 63 Jahren. Die Ergebnisse stützen die Kombination in diesem untersuchten Rahmen. Sie liefern keinen fertigen Plan für jede Person ab 65 und beantworten nicht, welche Reihenfolge für dein persönliches Ziel am besten ist.
Die Wochenziele als Orientierung nutzen
Der NHS nennt für Erwachsene ab 65 unter anderem 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche sowie Aktivitäten für Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit an mindestens zwei Tagen. Außerdem gehört tägliche Bewegung dazu. Bei moderater Anstrengung wird die Atmung schneller; Sprechen ist noch möglich, Singen normalerweise nicht.
Wer lange wenig aktiv war oder gesundheitliche Einschränkungen hat, klärt den passenden Einstieg ärztlich ab und baut vom bisherigen Niveau aus auf. Das Wochenziel muss nicht schon in der ersten Woche vollständig erreicht werden.
Ein Wochenbeispiel für eine bereits aktive Person
Ein fiktiver Fall: Helga ist 68, geht bereits regelmäßig zügig spazieren und kennt ihren angeleiteten Kraftplan. Sie möchte ihre vorhandenen Aktivitäten besser verteilen. Diese Beispielwoche zeigt die Organisation; sie ist kein Startprogramm nach langer Pause.
| Tag | Helgas vereinbarte Aktivitäten |
|---|---|
| Montag | Bekannter Kraftplan; zusätzlich 20 Minuten zügiges Gehen |
| Dienstag | 30 Minuten zügiges Gehen |
| Mittwoch | 20 Minuten zügiges Gehen; bekannte Gleichgewichts- und Beweglichkeitsaufgaben |
| Donnerstag | Bekannter Kraftplan; zusätzlich 20 Minuten zügiges Gehen |
| Freitag | 30 Minuten zügiges Gehen |
| Samstag | Leichte Alltagsbewegung; bekannte Gleichgewichts- und Beweglichkeitsaufgaben |
| Sonntag | 30 Minuten zügiges Gehen |
Die Gehzeiten ergeben 20 + 30 + 20 + 20 + 30 + 30 = 150 Minuten. Kraft- und weitere Übungszeiten sind zusätzlich eingeplant. Ihre konkrete Dauer, Übungen und Widerstände stammen aus Helgas persönlichem Plan. Die Tabelle stellt die Termine dar, keine pauschale Dosierung.
Wenn eine Strecke durch Steigung deutlich anstrengender wird, passt Helga das Tempo beziehungsweise die Route an. Ein ausgefallener Spaziergang muss auch nicht durch eine ungewohnt lange Tour am Sonntag nachgeholt werden.
Zusammenlegen oder auf verschiedene Tage verteilen?
Laut NHS können Kraft- und Ausdaueraktivitäten am gleichen oder an unterschiedlichen Tagen stattfinden. Praktisch zählt, wie gut die Kombination für dich funktioniert.
Helga hat montags ohnehin einen Termin im Trainingsraum. Sie kann einen passenden Gehabschnitt mit diesem Weg verbinden. An Tagen mit wenig Zeit trennt sie die Aktivitäten in zwei kurze Zeitfenster. Wenn sie nach einer anstrengenden Tour ihre Kraftübungen nicht mehr zuverlässig ausführt, bespricht sie eine andere Verteilung.
Unterscheide Aufwärmen und Ausdauerblock: Einige leichte Minuten zur Vorbereitung auf das Krafttraining sind eine andere Aufgabe als eine längere fordernde Ausdauereinheit. Notiere daher, was du tatsächlich gemacht hast. Das hilft, den Umfang richtig einzuordnen.
Beide Fortschritte sichtbar machen
Für die Ausdauer kann Helga beobachten, wie eine bekannte Strecke bei vergleichbarem Tempo gelingt. Im Krafttraining hält sie Übungen, Widerstände und Wiederholungen fest. Auch eine Alltagsaufgabe kann aussagekräftig sein: Kommt sie mit einer vertrauten Treppe oder einer überschaubaren Einkaufslast besser zurecht?
Diese Beobachtungen dienen der Trainingsplanung. Sie sind kein medizinischer Test und ersetzen bei neuen Beschwerden keine Abklärung. Hilfreich ist ein kurzer Rückblick mit der betreuenden Person: Welche Termine haben funktioniert? Wo wurde die zweite Aktivität zu viel? Was lässt sich in der nächsten Woche einfacher organisieren?
Wenn dir bislang ein Kraftbaustein fehlt, beginne mit der Einordnung zum Krafttraining ab 50. Für weitere Alltagsanforderungen führt dich der Beitrag zu Gleichgewicht und Kraft weiter.
Häufige Fragen
Fragen zur Kombination im Alltag
Darf ich Kraft und Ausdauer am selben Tag trainieren?
Ja, das ist grundsätzlich möglich. Die Kombination muss zu deinem bisherigen Training und aktuellen Zustand passen. Wenn die zweite Aktivität durch Müdigkeit deutlich schlechter gelingt, verändere Dauer, Reihenfolge oder Verteilung.
Zählt jeder Spaziergang zu den 150 Minuten?
Für dieses Wochenziel ist die Intensität wichtig. Gemächliches Gehen bleibt wertvolle Bewegung, ist aber nicht automatisch moderates Ausdauertraining. Bei moderater Anstrengung atmest du merklich schneller und kannst noch sprechen, normalerweise aber nicht singen.
Quellen und Einordnung
- NHS – Physical activity guidelines for older adults (ab 65 Jahren) ↗
Wochenorientierung für Ausdauer sowie Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit; gleiche oder getrennte Trainingstage sind möglich. Hinweise zum angepassten Einstieg und zur Einordnung moderater Intensität.
- Burich et al. (2015) – Aerobic training alone or combined with strength training ↗
Randomisierte zwölfwöchige Studie mit 33 älteren Erwachsenen, im Mittel rund 63 Jahre: gleich lange Ausdauer- und Kombinationseinheiten. Eine allgemeine optimale Reihenfolge wurde nicht belegt.